Aktuelles 2012


Aurelius Aristoteles, De civitate Dei Straßburg: Johann Mentelin, nicht nach 1468 Leipzig, Universitätsbibliothek, Ed. vet. s. a. m. 15
© Universitätsbibliothek Leipzig

28. Juni 2012

Spaziergang durch die alte Buchstadt Leipzig

Spaziergang durch die alte Buchstadt Leipzig

Am erstaunlichsten ist, dass Leipzig erst spät zum Buchdruck gefunden hat: am 28. September 1481 erschien bei Markus Brandis ein denkbar einfach gehaltener Druck mit einem Text von Johannes Annius über die Türkengefahr. Doch bereits in den 90er Jahren hatte sich der Buchdruck fest etabliert, nicht zuletzt durch die dreimal jährlich stattfindende Messe war Leipzig ein wichtiger Umschlagplatz auch von Büchern, die aus Süddeutschland, Westeuropa und Italien kamen und ins östliche Mitteleuropa weiterverkauft wurden. Dabei hatte man schon eine erstaunliche Wahl: Man konnte Nürnberger Koberger-Drucke illuminiert erwerben und zuhause binden lassen oder Augsburger Bämler-Drucke gleich mit Rankenschmuck und Einband einkaufen. Neben Büchern für den Klerus waren wie in allen Städten auch Schulbücher eine sichere Bank für den Drucker. Lateinlehrbücher, wie Kachelofens Donatus von 1512, wurden immer nachgefragt, doch sind sie kaum erhalten, denn begreiflicherweise hat man sich gern davon getrennt, wenn man sie nicht mehr brauchte. Drucke wurden dabei durchaus auf die Bedürfnisse der Nutzer eingerichtet, Landsbergs Werke des Aristoteles von 1503 sind gewissermaßen zweizeilig gedruckt, mit ordentlichem Rand, damit die Notizen des eifrigen Studenten auch Platz fanden. Wie Holzschnitte Texte anders interpretieren als der Text es möchte, zeigt besonders schön Melchior Lotters Druck von 1505 über den Ursprung des Zutrinkens (Hieronymus Emser, De origine propinandi vulgo compotandi), wo manch ein Zecher ziemlich benebelt am Boden liegt. Trotz ihrer Abstraktion wurden Wolfgang Stöckels Holzschnitte von 1499, die erstmals Organe in Einzelabbildungen zeigen, zu einem solchen Erfolg, dass sie 1510 noch einmal als einzelnes Handbuch gedruckt wurden. Die Buchmalerei in Leipzig ist noch weitgehend unerforscht, der Tullinkhoff-Meister (s. Abb.) brilliert mit kompliziert aufgebauten Blattranken.

In 20 Stationen, die nach Hausadressen gegliedert sind, wo einstmals Drucker und Binder oder andere Gewerbe tätig oder Bibliotheken ansässig waren, werden verschiedene Aspekte der Buchproduktion anschaulich präsentiert. Ausgehend vom Leipziger Buchdruck kann man die »schwarze Kunst« mit all ihren Facetten kennen lernen.

Leipziger Buchkultur um 1500

noch bis zum 22.7.2012

täglich 10.00 18.00 Uhr, Eintritt frei

Universitätsbibliothek »Bibliotheca Albertina«, Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig

http://www.ub.uni-leipzig.de/leipziger-buchkultur-1500/index.php?id=ausstellung

In der Ausstellung ist ein gut geschriebener Katalog für 10,- € zu haben.

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